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Comeback der Nationalelf

Notizen zur EM von Hans Zaremba

Wenn an diesem Sonntag England und Spanien das Endspiel der 17. Auflage der Europameisterschaft (EM) bestreiten, hat Deutschland seit seinem Triumph bei der Weltmeisterschaft (WM) 2014 in Brasilien kein Finale eines Europa- oder Weltturniers mehr erreichen können. Gleichwohl gab es bei der Euro 2024 viele Tore der Auswahl des DFB (Deutscher Fußball-Bund) zu bejubeln, ebenso aber etliche Mängel bei den Darbietungen der von Julian Nagelsmann aufgestellten Mannschaften zu vermerken.

Begeisterung für die DFB-Elf:
Jubel in einem Lokal im ostfriesischen Dornumersiel nach dem Tor von Florian Wirtz im Achtelfinale gegen Spanien.
Foto: Hans Zaremba

Errungenschaft

Nach dem anregenden Auftakt am Freitag, 14. Juni, in München im Vergleich mit Schottland (5:1) und einer beruhigend überstandenen Gruppenphase sowie dem denkwürdigen Partie im Achtelfinale mit Dänemark (2:0) endete am Freitag, 5. Juli, in Stuttgart in der Verlängerung des Viertelfinals gegen Spanien (1:2) der Traum vom begehrten Titelgewinn vor heimsicher Kulisse. In den drei Wochen mit den fünf Partien der deutschen Kicker wurden von ihnen elf Buden erzielt, mehrere späte Entscheidungen und bei den deutschen Fans ein sichtliches Wohlbefinden registriert. Trotz allem reichte es beim Auflauf im eigenen Land lediglich bis in die Runde der besten acht Nationen. Unabhängig davon bekundete DFB-Sportdirektor Rudi Völler dem Trainerteam und den berufenen 26 Spielern großen Respekt. „Das war eine außergewöhnliche Leistung, die vor einigen Monaten unvorstellbar gewesen wäre“, sagte der einstige Berufsfußballer gegenüber den Medien. Und der Verbandspräsident Bernd Neuendorf meinte zur Presse: „Wir haben eine Niederlage erlitten, aber ich glaube nicht, dass wir gescheitert sind.“ zitiert. Noch vor dem Spanien-Spiel schrieb das Wochenblatt „Der Spiegel“: „Die eigentliche Errungenschaft dieser EM, das lässt sich schon sagen, ist nicht das Erreichen des Viertelfinals. Es ist ein Stimmungsumschwung.“ Allesamt richtige Bewertungen über die deutsche Nationalmannschaft nach den vergeigten WM-Turnieren in Russland (2018) und Katar (2022) mit dem blamablen Aus in den Vorrunden sowie das Ende der DFB-Männer im Achtelfinale bei der Euro in 2021.

Umbruch

Angesichts der sportlichen Talfahrt nach dem WM-Titel 2014 ist es dem erst im Herbst 2023 in der Nachfolge von Joachim Löw (2006 bis 2021) und Hansi Flick (2021 bis 2023) verpflichteten aktuellen Bundestrainer gelungen, der DFB-Elf in 2024 zu einem Comeback zu verhelfen. Nach dem nun bevorstehenden Umbruch des Spielerkaders wegen des Karriereendes von Toni Kroos und des Rücktritts aus der Nationalmannschaft von Thomas Müller wird Julian Nagelsmann jetzt viel aufwenden müssen, um mit seinen Kickern bei der wesentlich schwierigeren WM 2026 in Kanada, Mexiko und den USA bestehen zu können. Als der 36jährige Übungsleiter im September als neuer DFB-Chefcoach vorgestellt wurde, gab es nicht wenige, die ihn zu jung und unerfahren, für zu unreif und letztlich zu unwürdig für das bedeutendste Amt im deutschen Fußball hielten. Die Angriffspunkte hatte er selbst durch seine vorherigen Aufgaben in Hoffenheim, Leipzig und vor allem bei den Bayern ausgelöst. Die Kritik erstreckte sich von seinen kecken Auftritten über die oft auffallende Garderobe bis zur Tendenz, sich selbst zu stark in den Mittelpunkt zu stellen. Um verblüffender waren seine bemerkenswerten Worte in der Pressekonferenz nach der unglücklichen Schlappe aus der Spanien-Begegnung. Indem mehrere Beobachter dem Sportlehrer einen Reifeprozess einräumten, sahen andere darin eher eine geschickte Inszenierung. Was letztlich zutreffend ist, werden die zwei Jahre bis zur und schließlich die Tage der WM in Amerika zeigen. Noch etwas zum letzten Spiel der Euro 2024 am Sonntagabend: Der Favorit Spanien hat im Match mit Frankreich (2:1) verdient das Finale erreicht, während der Einzug der Engländer im Duell gegen die Niederländer (2:1) nach ihrem mehr als durchwachsenen Start in die EM fast schon undenkbar schien.

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