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Jakob-Koenen-Bad vor 60 Jahren eröffnet

Vor sechs Jahrzehnten – am Dienstag, 27. September 1966 – wurde in Lippstadt mit dem damaligen Hallenbad am Cappeltor ein Bauwerk für den allgemeinen Betrieb eröffnet, das eng mit dem unermüdlichen Einsatz des von 1948 bis 1974 amtierenden Bürgermeisters im Ehrenamt, Jakob Koenen (1907-1974), verbunden ist. Und ohne das erhebliche Engagement der Bürgerschaft mit rund 500.000 Deutsche Mark für die Finanzierung wäre die Realisierung des Vorhabens nicht möglich gewesen. Gesichtspunkte, die am Tag der offiziellen Übergabe des Hallenbades an die Stadt Lippstadt am Samstag, 24. September 1966, in den Ansprachen von mehreren Personen hervorgehoben wurden. Überdies stellte Stadtdirektor Friedrich Wilhelm Herhaus (1927-2014) zur Begrüßung der zahlreichen Ehrengäste die Bedeutung des geschaffenen Werks für den Ruf von Lippstadt als sportfreudige Kommune heraus. Daneben unterstrichen bei dem Festakt verschiedene Repräsentanten des öffentlichen Lebens das vorbildliche Angebot für den Schwimmsport in der Region von Lippstadt.

Überzeugendes Engagement der Bürgerschaft

Lippstadt in den 1980er Jahren:
Blick auf das Jakob-Koenen-Bad am Cappeltor
Archiv-Foto: Stadtarchiv Lippstadt

Kühner Sprung

Ein Blick in die Archive belegt, dass sich am Dienstag, 27. September 1966, dem ersten Tag des generellen Schwimmbetriebes, bis 11.00 Uhr schon 300 interessierte Bürgerinnen und Bürger im neuen Bad am Cappeltor eingefunden hatten. Bereits um 6.20 Uhr soll der Parkplatz vor dem Gebäude voll belegt gewesen und die Schlange vor der Kasse lang und länger geworden sein. Mit einem kühnen Sprung habe sich Bürgermeister Jakob Koenen als erster um 6.30 Uhr in das mit 26 Grad warme kristallklare Wasser gestürzt, während sich der Erste Beigeordnete und Kämmerer Heinrich Westen (1925-2015) weit vorsichtiger dem kühlen Nass genähert habe. Einer Veröffentlichung aus dem September des Jahres 1966 ist zu entnehmen, dass der damalige Kassenwart aus dem Stadthaus erst bedächtig die große Zehe ins Wasser gehalten habe und dazu mit dem Rezept So ein erfrischendes Bad am Morgen ist gut für Leute, die einen Kater haben zitiert wurde. Zudem wird als einzige Panne bei der Premiere des Hallenbades überliefert, dass das Schlüsselbändchen, das jeder Besucher trug, für das kräftige Handgelenk des Bürgermeisters wohl zu knapp war. Bevor im September 1966 die Lippstädterinnen und Lippstädter ihr Hallenbad in Beschlag nehmen konnten, waren viele Hürden aus dem Weg zu räumen. Es ist das unbestrittene Verdienst von Jakob Koenen, dieses Bad gegen manche und heftige Widerstände durchgesetzt und zum Erfolg verholfen zu haben. Doch bis dahin war es ein weiter Weg. Es war das Jahr 1958, in dem der Sozialdemokrat den Plan für ein Hallenbad an der Lippe entwarf, den viele mehr oder weniger für nicht verwirklichbar hielten. Lippstadt hatte zu diesem Zeitpunkt eine Bevölkerungszahl von 35.000 Einwohnern und seine knappen finanziellen Mittel für viele andere dringende Verpflichtungen einzusetzen. Dreizehn Jahre nach dem Kriegsende befand sich auch der Wiederaufbau in der seinerzeitigen Kreisstadt noch in vollen Zügen. Zwei Stichworte veranschaulichen dies: Wohnungsbau und die Integration tausender von Flüchtlingen und Vertriebener. Ein Hallenbad wurde von den Kritikern als zu teuer und reinweg als Luxus abgetan. Doch der populäre Mann ließ sich nicht beirren und gewann über die Vereine eine große Zahl von Anhängerinnen und Anhängern für sein Unternehmen.  

Lippstadt im August 2010:
Diesen Blick in das damals noch bestehende Jakob-Koenen-Bad vermittelte Hans-Georg Böhm von der Stadtwerke Lippstadt GmbH als Betreiber der Einrichtung während des von Wolfgang Schulte Steinberg initiierten Stadtspaziergangs der Sozialdemokratie.
Archiv-Foto: Hans Zaremba

Klare Überlegungen

So entstand auch die Hallenbadzigarette. Ein in der Gegenwart eher verpönter Gedanke. Die Überlegungen waren klar durchdacht: Möglichst viele Bürger von der Idee überzeugen, dann werde auch genügend Geld für ein Hallenbad zusammenkommen. Der Einfall des Nichtrauchers basierte darauf, viele Nikotinfreunde dafür zu gewinnen, täglich auf ein Stäbchen zu verzichten. Das waren zumindest fünf in der Woche. Der Bürgermeister zählte nur die Arbeitstage von Montag bis Freitag und verband damit den Wunsch an die Raucher, den Gegenwert von gut zehn Pfennigen für das von ihm vorgeschlagene Projekt zu stiften. Zwei Mark von jedem Bürger im Monat hatte er kalkuliert. Aus der Hallenbadzigarette entwickelte das Stadtoberhaupt die Hallenbadlotterie. Verkäufer waren Politiker, Beamte und Angestellte der Stadtverwaltung, aber auch Vereine. Sie brachten Lose für eine Mark an die Frau und den Mann. Als Hauptgewinn lockten vier Käfer von Volkswagen. Als das Hallenbad vor 60 Jahren seiner Bestimmung übergeben wurde, war eine halbe Million an Spenden aufgelaufen. Immerhin ein Sechstel der Baukosten. Eine bemerkenswerte Aktion war auch die von Jakob Koenen, damaliger Schatzmeister des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), während der Kicker-Weltmeisterschaft im Sommer 1966 eingegangene Wette und die Einlösung ihrer Schuld. Was das Abschneiden der eigenen Nationalelf betraf, war der Lippstädter äußerst skeptisch. Daher kam es zum Versprechen des Politikers und Sportfunktionärs: Wenn Deutschland ins Endspiel kommt, lasse ich mir einen Stiftekopf schneiden. Trotz der Zweifel des bekennenden Fußballfans und Ehrenmitglieds von Borussia Dortmund kam die von Bundestrainer Helmut Schön (1915-1996) aufgebotene Auswahl in England am Samstag, 30. Juli 1966, ins Finale vom Wembley (2:4 gegen die Gastgeber). Also musste der Bürgermeister zum Barbier. Wenige Tage später, am Dienstag, 9. August 1966, nach dem Großebohnen-Essen der Südlichen Schützen, erschien der Wettschuldner in der Geiststraße im Salon von Willi Oldenkott (1933-2010). Doch bevor der mit dem Bürgermeister kegelbrüderlich verbundene Friseurmeister beginnen konnte, mussten die Zeitzeugen der auffälligen Aktion, die vielen Presseleute – vom Nachrichtenmagazin Der Spiegel über das Fachblatt Kicker bis zur Heimatzeitung Der Patriot – mit ihren Kameras eingeschlossen, einen Obolus für das Hallenbad in die mitgebrachte Schatulle werfen. Kurzum: Das Bad am Cappeltor ist eine beispielhafte Gemeinschaftsleistung der Lippstädter Bevölkerung. Als Anerkennung für den unaufhörlichen Einsatz des von November 1948 bis zu seinem Tod im Januar 1974 tätigen Bürgermeisters Jakob Koenen wurde das Hallenbad mit seinem Namen versehen und seine Verdienste mit der Aufstellung einer Büste im Foyer des Bades gewürdigt.       

Lippstadt im November 2014:
Erinnerung an eine schöne Zeit. Dazu fanden sich auf Einladung von Roswitha Große (in der ersten Reihe links im Bild) vor zwölf Jahren rund vierzig Schwimmerinnen und Schwimmer aus dem einstigen Jakob-Koenen-Bad auf dem jetzigen Parkplatz am Cappeltor ein.
Archiv-Foto: Hans Zaremba

Reminiszenzen

Für das der Spitzhacke zum Opfer gefallene Jakob-Koenen-Bad wurde als Ersatz im Mai 2013 in der Regie der Stadtwerke Lippstadt GmbH das CabrioLi an der Bückeburger Straße eröffnet. Das auf dem Areal des vormaligen Freibades entstandene Kombibad erinnert auf dem Fußweg zum Schwimmbad mit dem ursprünglich im Jakob-Koenen-Bad angebrachten Mosaik und im Gebäude mit der dort aufgestellten Jakob-Koenen-Büste an das einstige Hallenbad am Cappeltor. Übrigens: Es ist das Verdienst von Udo Strathaus, der sich als Mitglied des Aufsichtsrats der Stadtwerke Lippstadt GmbH für die Übernahme der Kunstwerke zum CabrioLi eingesetzt hat. Darüber hinaus versammelten sich im November 2014 auf Initiative von Roswitha Große, die 30 Jahre im Hallenbad beruflich war, auf dem heutigen Parkplatz ihrer früheren Wirkungsstätte eine Gruppe von über 40 Frühschwimmern. Sie nahmen in der ungezwungenen Zusammenkunft die Gelegenheit wahr, um sich über ihre Aufenthalte im 1966 entstandenen Bad auszutauschen. Ebenso über ihre Erfahrung im neuen CabrioLi. Von einer der dortigen Personen wurde ihre Zufriedenheit mit dem neuen Bad notiert: Das alte hatte einen Benutzungseffekt, das neue einen Wohlfühleffekt.

Hans Zaremba

Lippstadt im August 2026:
Das einst im Jakob-Koenen-Bad angebrachte Mosaik hat heute seinen Platz entlang des Fußweges zum CabrioLi gefunden.
Foto: Hans Zaremba

    

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