Nach der im vergangenen Mai mit dem vierten Rang in der Oberliga Westfalen knapp verpassten Rückkehr in die Regionalliga West startete der SV Lippstadt 08 am vergangenen Sonntag einen neuen Anlauf. Das Saison-Ziel der Schwarz-Roten mit dem aus der Spielzeit 2025/26 weitgehend identischen Kaders in der Regie des Duos von Sportdirektor Dirk Brökelmann und Trainer Felix Bechtold ist klar umrissen: Das Comeback in die unter Bedingungen der Profis agierende vierte Fußballklasse zum Zeitpunkt des 30. Jahrestages der Fusion der einstigen Lokalrivalen Borussia und Teutonia zum heutigen Spielverein Lippstadt 08.
Hans Zaremba über den Patzer des SV Lippstadt 08

Foto: Hans Zaremba
Notbremse
Doch der Auftakt des SV 08 am zweiten August-Sonntag ging völlig daneben. Statt des fest eingeplanten Dreiers im Vergleich mit Westfalia Kinderhaus, dem im Norden von Münster beheimaten Oberliga-Neuling, war ein Reinfall zu registrieren. Das bereits zur Halbzeit bei einer Temperatur von 33 Grad feststehende 0:2 ist eine ärgerliche Klatsche. Sie gestand auch der Lippstädter Chefcoach ohne Umschweife nach dem Schlusspfiff ein, der sich im Gespräch mit dieser Zeitung „enttäuscht“ gab. Ebenso meinte der seit Juli 2019 für den SV tätige Übungsleiter, dass die von ihm aufgebotenen Spieler von der Wärme beträchtlich betroffen waren. Ein Umstand, mit dem die Gäste aus der Metropole des Münsterlandes sichtlich besser umgehen konnten. Gewiss war es auch Nachteil, dass sich Lippstadt ab der 18. Minute in Unterzahl befand. Nach dem frühen Führungstreffer der Münsteraner in der 16. Minute zeichnete sich bereits kurz darauf die zweite Bude der grün gekleideten Westfalia ab. Dem Schlussmann der Lippstädter, Luca Beermann, blieb nichts anders übrig, um als letzter Mann die Notbremse zu ziehen. Die Konsequenz: Der umsichtige Schiedsrichter Björn Sauer aus Olpe hatte die rote Karte zu zücken und die Lippstädter mussten die Begegnung mit zehn Männern bis zum Ende bestreiten. Das infolge des Platzverweises erzielte Freistoßtor der Westfalia von Richard Joaquim konnte der Ersatzkeeper des SV, Lukas Struck, nicht verhindern. Damit war die Partie frühzeitig entschieden.
Miisvergnügen
Während die Lippstädter vor dem Oberliga-Auftakt von vielen Beobachterinnen und Betrachtern der Szene als potentieller Regionalliga-Anwärter taxiert wurden, galt Westfalia Kinderhaus als krasser Außenseiter für das Match in der Liebelt-Arena. Nicht wenige der Fans des Vereins aus der Domstadt waren mit dem unguten Gefühl einer vermeintlichen Schlappe angereist. Ungeachtet der großen Hitze und viel Ballbesitz der Gastgeber behielten die von Ahmad Massih Wassey, ein Trainer mit kanadischer Nationalität, betreuten Kinderhaus-Kicker das Geschehen unter Kontrolle. Auch zum Missvergnügen des Lippstädter Präsidenten Thilo Altmann, der im Vorwort des Vereinsmagazins „Nullacht“ noch geschrieben hatte. „Unsere Mannschaft will motiviert – mit Leidenschaft, Zusammenhalt und Überzeugung – zeigen, dass der SV Lippstadt erneut nach oben gehört.“ Nun müssen die Bechtold-Schützlinge am kommenden Sonntag bei der zweiten Auswahl von Preußen Münster die vom SV-Boss erwartete „Entschlossenheit“ zum Tragen bringen. Übrigens: Ein Gegner, der in 2025/26 gegenüber Lippstadt mit zwei Punkten weniger auf dem Konto auf dem fünften Rang landete sowie am Pfingstmontag beim SV 08 ein 3:1 einsacken konnte. Und am Sonntag, 23. August, kommt Victoria Clarholz in das ehemalige Stadion „Am Bruchbaum“. Für das Lippstädter Aufstiegsvorhaben zwei enorm bedeutende Begegnungen.