Das Ende von Julian Nagelsmann als Bundestrainer nach dem frühen Aus von Deutschland bei der aktuellen Weltmeisterschaft (WM) im Fußball verblüfft nicht sonderlich. Die Trennung vom erst im September 2023 zum DFB (Deutscher Fußball-Bund) geholten Übungsleiter war ein Rauswurf mit Ansage. Er wurde mehr oder weniger noch vor dem ersten Auftritt des DFB-Teams in Amerika von seinem potentiellen Nachfolger Jürgen Klopp im Bezahl-TV mit einem beiläufigen Spruch („Zum Glück stellt Julian Nagelsmann die Mannschaft auf, noch – noch“) manifestiert.
Anmerkungen zum DFB-Coach von Hans Zaremba

Jürgen Klopp, umrahmt von den Lippstädtern Hans Zaremba (links) und Bernhard Scholl, im Dezember 2010 bei einem Treffen im VIP-Bereich des einstigen Westfalenstadions. Damals befand sich der BVB bereits auf dem Weg zur ersten Meisterschaft mit dem jetzt in Liverpool tätigen Übungsleiter.
Archiv-Foto: Sammlung Hans Zaremba
Schritte
Die flapsige Formulierung des Sportwissenschaftlers war kurz, löste jedoch sofort unzählige Interpretationen aus. Für viele Beobachter der Szene stellte sich die Frage, ob der erfolgreiche Betreuer von Borussia Dortmund (2008-2015) und des FC Liverpool (2015-2024) damit auf mögliche Veränderungen beim DFB anspielte oder ob er lediglich einen lockeren Kommentar abgegeben hatte. Aber nach den Vorgängen der letzten Tage (Auflösung des Nagelsmann-Vertrages und die Klopp-Ankündigung „Ich bin bereit“) dürfte der Berufung des 1967 in Stuttgart geborenen und einst in Mainz als Sportlehrer gestarteten Jürgen Klopp zum Bundestrainer nichts mehr im Wege stehen. Die notwendigen arbeitsrechtlichen Schritte – Aufhebung der Anstellung des künftigen DFB-Cheftrainers bei „Red Bull“ – werden vermutlich durch eine hohe Summe geebnet. Ähnlich wie die extreme Abfindung für den beim DFB gescheiterten Nagelsmann, wo von einem Betrag bis zu sieben Millionen die Rede ist.
Werdegang
Warum der ehemalige Impresario von Clubs der deutschen Bundesliga und englischen Premier League nach Auffassung vieler Fachgrößen als erste Wahl für den DFB gilt, liegt auf der Hand. Wenn jemand weiß, wie man angeschlagene Teams aufbaut, dann der heutige Fernseh-Experte. Den FSV Mainz 05 führte er in 2004 erstmals in seiner Vereinsgeschichte in die Beletage des deutschen Fußballs. Mit der Borussia aus Dortmund, die wenige Jahre zuvor noch knapp an der Insolvenz vorbeischrammte, holte er in 2012 – vier Jahre nach seiner Bestallung im Revier – das begehrte Double. Und auch der FC Liverpool lag am Boden, als der heute 59-Jährige im Oktober 2015 an der Anfield Road seinen Job aufnahm. Seine größten Erfolge in der britischen Hafenstadt waren der Sieg in der Champions League (2019) und die englische Meisterschaft (2020). Doch durch sein im Herbst 2024 eingegangenes Engagement beim in Österreich ansässigen Brausekonzern und Sportsponsor „Red Bull“ hat sein Ansehen bei den deutschen Fans einen Knacks erfahren.
Aufgaben
Dass „Kloppo“, wie der im Nordschwarzwald aufgewachsene spätere Rechtsverteidiger beim damaligen Mainzer Zweitligisten häufig genannt wird, ebenfalls für die DFB-Auswahl die richtigen Schlüsse zu ziehen vermag, ist unstreitig. Dies belegte er zuletzt zutreffend im Juni am Fernseh-Mikrofon durch seine Bewertungen des vergeigten deutschen WM-Auftritts. Ob jedoch aus einem zweifellos erfolgreichen Vereinscoach auch ein wirksamer Auswahltrainer wird, bleibt abzuwarten. Denn die Funktion für die Nationalmannschaft reduziert sich auf einen Bruchteil dessen, was im Club geleistet werden kann. Als Bundestrainer wäre Klopp speziell mit Blick auf den Fitnesszustand der von ihm berufenen Kicker darauf angewiesen, wie die Verantwortlichen im deutschen Oberhaus und in den anderen Ligen, aus denen sich die deutschen Nationalspieler rekrutieren, arbeiten. Sein Engagement für den DFB würde sich verstärkt auf das Betrachten von Partien mit aktuellen und künftigen Nationalspielern beziehen. Ein Aspekt, den Nagelsmann offenbar komplett schleifen ließ und als ein der massivsten Versäumnisse des auf Druck der DFB-Oberen abgetretenen Bundestrainers beurteilt wird.