Nun haben die heimischen Freunde des Fußballs zum dritten Mal die Chance, auf einem kurzen Weg die Bundesliga hautnah im Stadion zu erleben. Durch das 2:1 im Relegationsrückspiel gegen den VfL Wolfsburg am Pfingstsonntag schafften die Blau-Schwarzen eine beachtliche Renaissance. Zur gelungenen vom – auch in Lippstadt durch verschiedene Termine bekannten – Stadionsprecher des SCP 07, Jürgen Lutter, moderierten Aufstiegsfeier waren am Dienstag rund 15.000 begeisterte Fans des Sports mit dem runden Leder vor dem Paderborner Rathaus erschienen.
Hans Zaremba über den Aufstieg des SCP 07

Wirtschaftsfaktor
Aus den Kehlen der Sympathisanten des Fußballs in der Stadt an Alme und Pader erklang verstärkt der Ruf „Nie wieder Zweite Liga“. Sicherlich auch mit viel Wunschdenken verbunden. Denn der Wettbewerb im Oberhaus wird für die Kicker aus der Domstadt schwer werden, was einige von ihnen noch aus den Spielzeiten 2014/15 und 2019/20 in Erinnerung sein dürfte. Auch damals war die Euphorie groß, als der erst 1985 nach mehreren Fusionen entstandene SC Paderborn 07 sich zweimal in der Fußball-Beletage mit den gestandenen Bundesligisten – von Bayern München über den VfB Stuttgart bis zu Borussia Dortmund – im Kampf und Punkte und Tore messen musste. Doch davon war im Überschwang der Gefühle am Dienstag bei bestem Sommerwetter, Partymusik und ausgiebig Gerstensaft kaum die Rede. Neben der obligatorischen Eintragung in das Goldene Buch der Stadt Paderborn präsentierte sich die Mannschaft mit ihrem Coach Ralf Kettemann auf der eigens vor dem Rathaus errichteten Bühne. Und der Präsident des Wiederaufsteigers, Thomas Sagel, war von der Atmosphäre angetan: „Das wird man nicht vergessen. Sowas ist einmalig, was wir hier fertig bekommen haben.“ Ähnliche Worte waren auch von den Repräsentanten der Politik im Kreis, Landrat Christoph Rüther, und in der Stadt, Bürgermeister Stefan-Oliver Strate, zu vernehmen. Sie schauten zudem auf den Wirtschaftsfaktor, der durch das Bundesliga-Comeback des Sportclubs für das Mittelzentrum des Hochstifts verbunden ist.

Fotos (2): Hans Zaremba
Begeisterung
Bereits am Nachmittag hatte die Organisatoren das Rathaus mit den schwarz-blauen Vereinsfarben geflaggt und die ersten SCP-Anhänger, viele auch aus der Region von Lippstadt, waren in die 157.000 Einwohner große Stadt gekommen. Etliche von ihnen warteten vor dem eigentlichen Start am Rathaus bei 30 Grad schon in den Mittagsstunden in den umliegenden und gut gefüllten Kneippen. Eine junge Frau aus Paderborn gab gegenüber den Medien zu Protokoll: „Das ist unbeschreiblich, tolles Wetter, tolle Leute, der Vibe in der Stadt passt. Wir haben jetzt Bock auf eine geile neue Saison, auch wenn`s hart wird“. Als die Mannschaft auf der Tribüne am Rathaus eintrifft, wird sie von lautem Jubel und einem eindrucksvollen Konfettiregen begrüßt. Der Bundesliga-Aufstieg Nummer Drei des SC Paderborn 07 war entgegen den vorherigen Beförderungen vom Unter- ins Oberhaus erst durch die Relegation möglich geworden. Nach dem 0:0 beim Treffen in Wolfsburg schaffte Paderborn am Pfingstmontag vor heimischer Kulisse ein 2:1. Das entscheidende Tor erzielte in der 100. Minute Laurin Curda, der dafür bei der Fete vor dem Rathaus besondere Ovationen erhielt. Bemerkenswert ist, dass es dem kleinen und vorbildlich geführten Club aus der ländlichen Provinz gelang, den zweifellos beachtlich vom Automobilkonzern am Mittellandkanal geförderten Verein zu besiegen. Für den Wolfsburger Coach Dieter Hecking, einst in Lippstadt Jugendspieler und später auch in Paderborn am Ball, war es eine besonders bittere Pille, die ihm zu Pfingsten verabreicht wurde. Der vormalige Erfolgstrainer, der in 2015 mit dem VfL Wolfsburg gegen Borussia Dortmund den DFB-Pokal gewann, musste damit nach dem Vorjahr – beim VfL Bochum – jetzt den zweiten Abstieg in Folge erleben.