Von Januar 1995 bis September 2009 gehörte Eike Hovermann, der am Mittwoch, 27. Mai 2026, sein 80. Lebensjahr vollendete, dem Bundestag an. Er war nach Jakob Koenen (1907-1974) und Engelbert Sander (1929-2004) der dritte Sozialdemokrat aus Lippstadt, der den heimischen Raum im deutschen Parlament vertrat. Zuvor hatte der „Lange“, wie er von mehreren seiner Wegbegleiter wegen seiner Körpergröße von knapp zwei Metern genannt wird, seine Spuren in der Kommunalpolitik hinterlassen.
Eike Hovermann vollendete sein 80. Lebensjahr

In seinem Geburtsort empfing Eike Hovermann als Vorsitzender des SPD-Stadtverbandes Lippstadt den links abgebildeten damaligen Vormann der SPD-Fraktion im Landtag von Nordrhein-Westfalen, Dieter Haak (1938-2012) aus Hagen zu einem Besuch in den Psychiatrie-Einrichtungen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe. Mit dabei war Heinz Schapke (rechts), Pflegedienstleiter im Landeskrankenhaus Eickelborn, als örtlicher Ratskandidat der SPD.
Archiv-Foto: Sammlung Hans Zaremba
Kommunalpolitik
Der Lehrer für Geschichte und Latein, zuletzt am Gymnasium Schloss Overhagen (GSO), startete seine politische Tätigkeit als Ratsherr in Lippstadt. Von 1979 bis 1994 als eine der prägenden Persönlichkeiten der lokalpolitischen Vertretung in der größten Stadt im heimischen Kreisgebiet. Überdies war Eike Hovermann von 1989 bis 1994 stellvertretender Bürgermeister und bei den Kommunalwahlen in 1984 und 1989 der Bürgermeisterkandidat der SPD in Lippstadt. Zugleich erwarb er sich von 1984 bis 1994 als Ortsvorsteher von Overhagen für die Entwicklung des Dorfes an der Gieseler mit seinen rund 1.200 Bürgerinnen und Bürgern bleibende Verdienste. Zudem war er von 1989 bis 2004 Mitglied des Kreistages Soest. Für die Sozialdemokratie übernahm er zweimal (1976 bis 1982 und erneut 1983 bis 1992) den Vorsitz des Stadtverbandes Lippstadt. Ebenso engagierte er sich von 1991 bis 2010 als Vorsitzender des damaligen Unterbezirks und heutigen Kreisverbandes Soest seiner Partei. Zum Ausscheiden aus seiner letzten Funktion für die älteste deutsche Partei wurde er zum Ehrenvorsitzenden der SPD im Kreis Soest ernannt.
Bundestag
Bei der Wahl am Sonntag, 16. Oktober 1994, kandidierte Eike Hovermann zum ersten Mal für den Bundestag. Auch wenn der Ausgang für ihn nicht auf Anhieb erfolgreich war, zog er im Januar 1995 als Nachrücker für den ausgeschiedenen SPD-Abgeordneten Hans Gottfried Bernrath (1927-2010) in das zu jener Zeit noch in Bonn ansässige Parlament ein.
Größter Erfolg
Sein größter politischer Erfolg gelang ihm bei der 14. Wahl des Bundestages am Sonntag, 27. September 1998, als die Sozialdemokratie bundesweit einen erdrutschartigen Sieg erzielte und Eike Hovermann erstmals in der Geschichte im Kreis Soest für die SPD das Direktmandat für den Einzug in den Bundestag gewinnen konnte. Überdies wurde durch diese Abstimmung zum ersten und bislang einzigen Mal in Deutschland eine Bundesregierung – damals mit Helmut Kohl (1930-2017) aus der CDU als Kanzler einer Koalition von CDU/CSU und FDP – abgewählt und durch ein Kabinett von SPD und Bündnis 90/Die Grünen mit Gerhard Schröder aus der SPD als Regierungschef abgelöst. Einmalig war auch das damalige Ergebnis von Eike Hovermann in Lippstadt. Er lag mit 48,6 Prozent deutlich an erster Position und konnte einen satten Zugewinn von sechs Punkten verzeichnen. Sein CDU-Mitbewerber Jürgen Augustinowitz aus Rüthen hatte das Nachsehen, verlor seinen Sitz im Bundestag und verabschiedete sich aus der Bundespolitik.
Gesundheitspolitik
Als Bundestagsabgeordneter verschaffte sich der Overhagener in der Gesundheitspolitik einen Namen. Für die SPD-Bundestagsfraktion fungierte er als ihr stellvertretender gesundheitspolitischer Sprecher. In dieser Position vertrat Eike Hovermann verschiedentlich seine eigenen Vorstellungen und stimmte nicht immer mit den Vorstellungen der SPD-Bundestagsfraktion überein. Insbesondere kritisierte er die von der seinerzeitigen Bundesministerin Ulla Schmidt Mitte der 2000er Jahre verantwortete Gesundheitsreform und gehörte bei der Entscheidung im Bundestag zu den Abweichlern. Als Eike Hovermann bei einer öffentlichen SPD-Gesprächsrunde zur Gesundheitspolitik am Mittwoch, 30. August 2006, in Bad Waldliesborn als heimisches Bundestagsmitglied vom Gebot einer Fusion des Dreifaltigkeits-Hospitals mit dem Evangelischen Krankenhaus sprach und betonte, dass beide kirchlichen Träger keine andere Wahl hätten, fand diese Forderung des SPD-Gesundheitsexperten bei der im Heilbad versammelten Expertenrunde wenig Gefallen. Doch am Freitag, 6. Dezember 2024, ist das Ansinnen des früheren Parlamentariers durch die vertragliche Unterzeichnung der Vereinigung zum Klinikum Lippstadt – Christliches Krankenhaus zur überfälligen Wirklichkeit in der Stadt an der Lippe geworden.
Hans Zaremba