Als Julian Nagelsmann im Herbst 2023 beim DFB (Deutscher Fußball-Bund) das Amt des Chefbetreuers übernahm, wurde diese Personalie von beachtlicher Skepsis begleitet. Folglich waren viele seiner damaligen Tadler über die Art und Weise des zu Pfingsten vom Bundestrainer unterbreiteten DFB-Kaders für die vom 11. Juni bis 19. Juli in Kanada, Mexiko und den Vereinigten Staaten von Amerika angesetzte Weltmeisterschaft (WM) nicht sonderlich überrascht. Für einen Großteil der Fußball-Szene befindet sich der 38-Jährige damit zwei Wochen vor der WM in der Defensive.
Anmerkungen von Hans Zaremba zum DFB-Kader

Kritische Anmerkungen vom Chronisten der Lippstädter BVB-Anhänger, Hans Zaremba
Fragen
Zum von ihm formierten DFB-Aufgebot sind besonders drei Berufungen in den Fokus der Kritik geraten: Das Comeback von Manuel Neuer im Tor. Sportlich verständlich, da der seit 15 Spielzeiten bei den Bayern unumstrittene Keeper in der Saison 2025/26 in etlichen Partien durchaus Weltklasse ausstrahlte. Katastrophal war jedoch die Kommunikation von Julian Nagelsmann mit Blick auf den Hoffenheimer Oliver Baumann, der nach dem in 2024 verkündeten Rücktritt von Manuel Neuer aus der DFB-Equipe in allen Partien der Qualifikation von Deutschland für das WM-Treffen auf dem amerikanischen Kontinent ein verlässlicher Mann zwischen den Pfosten war. Der wochenlange Eiertanz des seinerzeit bei der TSG 1899 Hoffenheim als Bundesliga-Coach gestarteten Sportlehrers in der Torwartfrage beschädigte erheblich seine Glaubwürdigkeit, speziell durch seinem Auftritt im ZDF-Sportstudio nach dem letzten Bundesliga-Spieltag. Schwer nachzuvollziehen ist zudem, warum sich mit Joshua Kimmich nur ein rechter Außenverteidiger unter den 26 Auserwählten befindet. Auch vor dem Hintergrund, weil der aktuelle Kapitän der Nationalelf seine Position eher im Zentrum des Teams sieht. Und weswegen der einstige Bayern-Impresario den im Sommer 2025 an der Isar ausgemusterten Leroy Sané mit zum Weltturnier nimmt, ist ebenfalls kaum zu verstehen. Nach seinem im Vorjahr in die türkische Süper Lig vollzogenen Wechsel zu Galatasaray Istanbul verfügt der ehedem bei der SG Wattenscheid 08 und dem FC Schalke 04 entdeckte Flügelspieler für seine Benennung als Mitglied der DFB-Auswahl über keine ausreichende Spielpraxis.
Blockbildungen
Dass Julian Nagelsmann bei der Präsentation der von ihm bestimmten Männer sein Ziel bekräftigte, die WM mit der deutschen Nationalmannschaft gewinnen zu wollen, ist logisch. Sie wird von den Fans – auch in der heimischen Region – erwartet. Angesichts der Dominanz des FC Bayern München mit seinen aktuellen Erfolgen in der Meisterschaft und im Pokal setzt auch der heutige Bundestrainer für die von ihm verantwortete Reise nach Nordamerika wie andere in seiner Position auf eine starke Blockbildung. Dazu hat er sieben Bayern benannt. Ähnlich wie seine siegreichen Vorgänger Sepp Herberger (1897-1977) in der Schweiz (1954), dem fünf Kicker des 1. FC Kaiserslautern zum Erfolg verhalfen, und Helmut Schön (1915-1996) bei der Heim-WM in Deutschland (1974) sowie Joachim Löw in Brasilien (2014), die jeweils sechs Bayern einsetzten. Übrigens: Lediglich Franz Beckenbauer (1945-2025) führte als Teamchef in Italien (1990) Deutschland ohne eine größere Struktur aus einem Club zum WM-Titel. Was jedoch dem deutschen Nationalteam gegenwärtig fehlt, ist ein echter Goalgetter wie Harry Kane beim Doublegewinner von der Isar. Weder Nick Woltemade (Newcastle United) noch Deniz Undav (VfB Stuttgart) erreichen kaum das Format des Engländers. Fazit: Seit der Europameisterschaft (EM) 2024 hat die deutsche Nationalelf keine wirkliche Beständigkeit entfaltet. Die offenen Fragen konnte der Bundestrainer trotz seiner vielen Worte in den vergangenen zwei Jahren und zuletzt bei der offiziellen Vorstellung der von ihm bestimmten 26 Fußballer nicht schlüssig beantworten.