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Christ, Patriot und sozialer Demokrat

Gustav Heinemann (1899-1976) war in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland der dritte Bundespräsident. Von 1979 bis 1984 repräsentierte er das damals noch in zwei Staaten geteilte Deutschland. Zwei Jahrzehnte nach seinem Tod richtete die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) in Kooperation mit dem damaligen SPD-Ortsverein in der Lippstädter Kernstadt vom 23. Februar bis 24. März 1996 die Ausstellung „Christ, Patriot und sozialer Demokrat“ in der Galerie des Rathauses aus.

Erinnerung von Gustav Heinemann in 1996

Lippstadt am Freitag, 23. Februar 1996 (I):
Diether Posser eröffnete in der Rathausgalerie die Ausstellung über das Leben und Wirken seines langjährigen Weggefährten Gustav Heinemann.

Laudator

Als Laudator für die Eröffnung der Ausstellung hatten die Organisatoren – die FES und die örtliche SPD – den früheren Landesminister in den Kabinetten der Ministerpräsidenten Heinz Kühn (1912-1992) und Johannes Rau (1931-2006), Dr. Diether Posser (1922-2010), verpflichten können. Mit dem von 1970 bis 1986 dem SPD-Bundesvorstand unter Vorsitz von Willy Brandt (1913-1992) angehörenden SPD-Mann aus Essen war eine Persönlichkeit nach Lippstadt gekommen, die lange und eng mit dem späteren und ersten aus der SPD gewählten Bundespräsidenten als Sozius in dessen Essener Anwaltskanzlei zusammengearbeitet hatte. Ebenso hatten sich Christel Nickel-Mayer von der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn sowie der damalige von der SPD gestellte und ehrenamtlich tätige Lippstädter Bürgermeister Klaus Helfmeier (1941-2012) zur Eröffnung eingefunden.

Würdigung

In seiner Würdigung für den einstigen Oberbürgermeister von Essen (1946-1949), Bundesinnenminister (1949-1950), Bundesjustizministers (1966-69) und Bundespräsidenten (1969-1974), Gustav Heinemann, hob Diether Posser den starken Bezug seines am 23. Juli 1899 in Schwelm geborenen und am 7. Juli 1976 in Essen verstorbenen Wegbegleiters zum Christentum hervor und betonte: „Seine Politik aus christlicher Verantwortung war ein bürgernahes und das heißt, auf den Menschen bezogenes Handeln.“ Der Christ Gustav Heinemann sei, so der Laudator, auch ein deutscher Patriot gewesen. „Das Wort wird oft missverstanden, es hat nichts mit nationalistischer Überheblichkeit gegenüber anderen Völkern zu tun.“ Patriotismus habe für den evangelischen Christen das Eintreten für die Wiedervereinigung Deutschlands zum einheitlichen Staatswesen der Freiheit und der Menschenrechte bedeutet. Dem sozialen Demokraten Gustav Heinemann sei es wichtig gewesen, den Bürgerinnen und Bürgern die demokratische Gesinnung vorzuleben.

Lippstadt am Freitag, 23. Februar 1996 (II):
Stelldichein am Rande der Gustav-Heinemann-Ausstellung in der Rathausgalerie. Von links Anita Brülle, Angelika Zaremba, Wolfgang Schulte Steinberg, Friedhelm Arthecker (1931-2015) und Bernhard Scholl.
Archiv-Fotos (2): Sammlung Hans Zaremba

Schutz von Minderheiten

Diether Posser, der von 1972 bis 1978 einer der Nachfolger des in 1947 und 1948 amtierenden Landesjustizministers Gustav Heinemann war, stellte in Lippstadt zudem das Wirken seines Berufskollegen als Rechtspolitiker heraus. Er habe stets sein Bestreben auf das Ernstnehmen der Grundrechte ausgerichtet. Zugleich den Schutz politischer und religiöser Minderheiten. Seit der Jurist nach 1945 als Christ, Patriot und Demokrat zur Politik gekommen sei, habe sein besonderer Einsatz der Friedenspolitik gegolten. „Er kämpfte gegen die Wiederaufrüstung der Bundesrepublik Deutschland und trat 1950 aus Protest gegen die nur fünf Jahre nach dem totalen Zusammenbruch beginnende Remilitarisierung als Bundesinnenminister zurück“, schilderte Diether Posser eine der Stationen im politischen Leben von Gustav Heinemann. Ebenso blickte der ehemalige stellvertretende Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen auf einige andere Begebenheiten im Leben des vormaligen Parlamentariers. Dabei betrachtete er die bedeutende Rede des Abgeordneten Gustav Heinemann am 23. Januar 1958 im Bundestag. In ihr habe er vor einem Rüstungswettlauf mit Massenvernichtungswaffen, insbesondere vor einer atomaren Rüstung der Bundeswehr gewarnt. Der spätere Bundespräsident galt in den Jahren 1957 und 1958 als einer der schärfsten Gegner der seinerzeit vom Bundeskanzler Konrad Adenauer (1876-1967) aus der CDU und des Verteidigungsministers Franz Josef Strauß (1915-1988) von der CSU beabsichtigten Ausstattung der Bundeswehr mit Nuklearwaffen. 

Frieden als Ernstfall

Zum Antritt als Präsident in der noch jungen westdeutschen Bundesrepublik Deutschland habe Gustav Heinemann im Sommer 1969 den häufig zitierten Satz formuliert: „Nicht der Krieg ist der Ernstfall, in dem sich der Mann zu bewähren habe, wie meine Generation in der kaiserlichen Zeit auf den Schulbänken lernte, sondern der Frieden ist der Ernstfall, in dem wir alle uns zu bewähren haben.“ Und als Bundespräsident habe er sich „durch seine Auslandsreisen um unser Volk verdient gemacht“, da seine ersten Fahrten in die während des Zweiten Weltkriegs von Deutschland besetzten Ländern führten.

Hans Zaremba

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