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Hans-Joachim Watzke und die Planbarkeit

Das wohl größte Verdienst des Präsidenten von Borussia Dortmund, Hans Joachim Watzke, für seinen Verein ist die von ihm im März 2005 im Verbund mit dem BVB-Finanzvorstand Thomas Treß verhinderte Insolvenz des schwarz-gelben Clubs. Auf seine damalige Herausforderung blickte der im sauerländischen Marsberg verwurzelte Diplomkaufmann am Dienstagabend im Stadttheater beim Forum Wirtschaft der Sparkasse zurück, als er über die Planbarkeit von Erfolgen im Fußball sprach.

Lippstadt am Dienstag, 24. März 2026 (I):
Vor großer Kulisse im Stadttheater. Hans-Joachim Watzke (Mitte) umrahmt von Nicole La Noutelle, Mitglied des heimischen Sparkassen-Vorstands, und Peter Königkamp, Vorstandsvorsitzender des kreisweiten Geldinstituts mit Sitz in Lippstadt.
Foto: Hans Zaremba

Minimalziel

Nach der unseligen Ära der gescheiterten BVB-Vorleute Gerd Niebaum und Michael Meier befand sich der traditionsreiche Verein aus dem Ruhrgebiet vor dem Sturz in die Bedeutungslosigkeit. Der Überzeugungskraft von Hans-Joachim Watzke und Thomas Treß ist es zu verdanken, dass der BVB 09 in seiner heutigen Form noch besteht. In der vom Stadionsprecher des SC Paderborn 07, Jürgen Lutter, im Lippstädter Musentempel moderierten Zusammenkunft vermittelte der einstige Chef eines Betriebes für Berufsbekleidung auch Einblicke in die Strategie der Dortmunder. Das Minimalziel der Borussia ist in jeder Saison, „sich für die Champions League zu qualifizieren“. In der europäischen Königsklasse lassen sich bekanntlich hohe Einnahmen generieren. Auf sie ist ein Unternehmen, wie die Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA, mit seinen 1.100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angewiesen. Gleichwohl sei es für seinen Verein schwer, so Hans-Joachim Watzke, angesichts der finanziellen Überlegenheit des FC Bayern München die deutsche Meisterschaft zu erringen. Dies habe die Zeit der Dominanz der Bayern in der Bundesliga seit der Saison 2012/13 handfest offenbart, als es lediglich Leverkusen in 2024 schaffte, die Münchener sportlich zu überbieten. Möglich wäre es in 2023 auch für Dortmund gewesen, wenn die Mannschaft nicht in ihrem letzten Match gegen Mainz versagt hätte. Ohne eine realistische Einordnung seiner Ziele könne ein Verein kaum überleben, betonte der Fußballfunktionär mit seinen diversen übergeordneten Aufgaben im nationalen Bereich, erster Vizepräsident des DFB (Deutscher Fußball-Bund) und Vorsitzender des Aufsichtsrats der DFL (Deutsche Fußball Liga GmbH), und auf internationaler Ebene bei der Uefa (Dachorganisation der Fußball-Verbände in Europa).

Lippstadt am Dienstag, 24. März 2026 (II):
Stelldichein im Foyer des Stadttheaters mit Björn Friederizi von der Sparkasse Hellweg-Lippe und Martin Schulz aus Bad Waldliesborn.

Kontakte

Dazu nannte er als Beispiel, wenn der von ihm durchaus geschätzte SC Paderborn 07 momentan ausrufen würde, in fünf Jahren in der Champions League antreten zu wollen. Die aktuell bei den Bayern aufgeworfenen Fragen zum Erhalt der 50+1-Regel, die besagt, dass Fußballvereine bei ausgegliederten Profimannschaften stets die Stimmenmehrheit an der jeweiligen Kapitalgesellschaft behalten müssen, waren für Hans-Joachim Watzke nicht von großem Belang. Die einstigen Protagonisten in München, Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge, zu denen der BVB-Präsident nach seinen Worten einen guten Kontakt pflegt, würden jedes Jahr etwas anderes sagen. Ebenso war die bevorstehende Weltmeisterschaft (WM) in den USA, Mexiko und Kanada beim Lippstadt-Besuch des ehedem beruflich tätigen Vorstandsvorsitzenden und heute ehrenamtlich wirkenden Präsidenten des BVB ein Thema. Entgegen des miserablen Abschneidens der deutschen Auswahlen bei den Darbietungen in 2018 und 2022 taxiert der DFB-Vize die eigene Nationalmannschaft gegenwärtig deutlich höher ein, obwohl sie für ihn kein klassischer Cup-Anwärter ist. Nach seiner Prognose würden Spanien, Frankreich und Brasilien vorne liegen, folgend von Deutschland, England, Argentinien und Portugal. Trotzdem sei es möglich, dass sich die eigentliche Stärke eines Teams während des Turniers entwickelt, fügte Hans-Joachim Watzke vor dem Hintergrund der Verläufe für Deutschland mit seinen WM-Triumphen in 1954 und 1974 hinzu.

Lippstadt am Dienstag, 24. März 2026 (III):
Übergabe eines Buches über die Geschichte der Lippstädter BVB-Freunde durch Hans Zaremba (links) an Hans-Joachim Watzke.
Fotos (2): Karl-Heinz Tiemann

Begebenheiten

Aktuelle Begebenheiten beim BVB wurden aufgegriffen, indem Jürgen Lutter das Gespräch mit dem Publikum im voll ausgebuchten Stadttheater eröffnete. Die Verpflichtung der Nationalspielerin Alexandra Popp aus Wolfsburg für das Dortmunder Damen-Team ist für den Fußball-Manager ein klares Zeichen. „Die BVB-Frauen wollen in die Bundesliga.“ Den zuletzt arg in die Kritik geratenen Karim Adeyemi nahm Hans-Joachim Watzke in Schutz, als er von einem Besucher als „Rotzlöffel“ bezeichnet wurde. Gleichwohl müsse der junge Mann „lernen, seine Frustsituationen zu überwinden“. Zugleich betrachtete der Gast auf der Theaterbühne die sozialen Medien, die oft einen enormen Druck auf die Akteure auf dem Rasen ausübten, denen die Lizenzspieler früherer Zeiten nicht ausgesetzt waren. Fußball-Nostalgie kam auf, als von legendären Auftritten von Borussia Dortmund die Rede war. So das „Jahrhundertspiel“, als der BVB als deutscher Meister im Dezember 1963 den damals in Europa vorherrschenden Club Benfica Lissabon mit 5:0 vor heimischer Kulisse regelrecht entzauberte. Eine Begegnung, die in diesen Tagen noch einmal in Erinnerung gerufen wurde, wo der Ort des Treffens, das Stadion „Rote Erde“, auf einhundert Jahre seines Bestehens schaut. Und für den 1959 in Marsberg geborenen Hans-Joachim Watzke, der seit 1966 ein bekennender BVB-Anhänger ist, sind es der Pokalsieg in Berlin im Mai 2012 mit dem 5:2 über die Bayern und im April 2013 das 3:2 gegen den FC Malaga mit den in der Nachspielzeit erzielten zwei Toren für den Einzug in das Halbfinale der Champions League. Das Fazit des Abends: Eine unterhaltsame Veranstaltung, bei der neben den wirtschaftlichen Betrachtungen der populärsten Sportart in Deutschland obendrein Anekdoten über den Fußball nicht zu kurz kamen. Dem Ausrichter, die Sparkasse Hellweg-Lippe, ist dafür viel Lob zu zollen.

Hans Zaremba

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