In Deutschland soll es an die 1.000 Tafeln geben, die eine Mission haben: Lebensmittel retten und armutsbetroffenen Menschen helfen. Auch in Lippstadt gibt es davon eine Niederlassung. Von deren Engagement verschaffte sich jetzt die Arbeitsgemeinschaft 60plus in der Lippstädter Sozialdemokratie mit ihrem Leiter Karl-Heinz einen unmittelbaren Eindruck.
Hans Zaremba über das Tafel-Engagement

Zum Besuch der heimischen Tafel-Niederlassung brachten die Senioreninnen und Senioren aus der örtlichen Sozialdemokratie ein Geschenk mit, und zwar in einem Karton verpackt: Haltbare Lebensmittel, die von der Tafel an bedürftige Menschen weitergegeben werden können. Mit im Bild von links Willi Pieper (Tafel), Karl-Heinz Tiemann (SPD) und Steffen Schöps (Tafel).
Ehrenamt
Beim Austausch über die Arbeit der Tafel in Lippstadt erklärte Willi Pieper, Leiter der örtlichen Tafel, dass die Inflation auch jene Frauen und Männer verstärkt zu den Tafeln führt, die diesen Gang lange gescheut haben, da sie irgendwie noch finanziell über die Runden kamen. Doch die dramatischen Steigerungen der Preise – insbesondere bei Strom und Gas – lassen das nicht mehr zu. „Wir sehen täglich, dass bei immer mehr Menschen das Geld nicht mehr reicht“, fügte der Gastgeber der SPD-Senioren hinzu. Der Kreis der Empfänger von Lebensmitteln bei der Tafel erstreckt sich vorwiegend von Beziehern von Bürger- und Wohngeld über Empfänger von bescheidenen Renten bis zu Auszubildenden mit geringen Einkünften. Die Abgabe der Lebensmittel, die zuvor von den Helferinnen und Helfern von den Supermärkten mit einem Fahrzeug der Caritas abgeholt werden, folgt in der Regel gegen ein kleines Entgelt. Die Tarife der Preise sowie Abgabetage an die unterschiedlichen Personenkreise werden von der heimischen Tafelorganisation mit Unterstützung von elektronischer Datenverarbeitung gestaltet. Einkaufen bei der Tafel können jene Personen, die ihre Bedürftigkeit – wie mit einem Bürgergeldbescheid – nachweisen können. Grundsätzlich sind es ehrenamtliche Personen, die bei Ausgabestellen der Tafel die Arbeit am Laufen halten. So auch in Lippstadt, wo die Tafel nach langem Suchen demnächst im Tonhüttenweg ihren Anlaufpunkt haben wird. Auch diese Sozial-Einrichtung sucht wie andere von Kräften im Ehrenamt unterstützte Organisationen nach Personal. Kurzum: Wer über ein wenig freie Zeit verfügt und diese sinnstiftend einsetzen möchte, ist bei den Tafeln gerne gesehen.

Ein von mehreren Stellen – wie die Dr. Arnold Hueck-Stiftung – gesponsertes Fahrzeug ist eine notwendige Hilfe für die Logistik der Tafel vor Ort. Überhaupt sind die Tafeln in Deutschland für ihre Aktivitäten auf Spenden angewiesen.
Fotos (2): Hans Zaremba
Grundsätze
Dieses Blatt nutzt die Zeilen über den Besuch der SPD-Seniorinnen und Senioren bei der Lippstädter Tafel zugleich für einige allgemeine Informationen über die Tafeln und die Geschichte ihrer Arbeit in Deutschland. Die erste Tafel wurde 1993 von der Sozialpädagogin und gefragten Gesprächspartnerin zu den Themen Armut, Bedürftigkeit und sozialer Zusammenhalt, Sabine Werth, unter Mitwirkung ihrer Initiativgruppe „Berliner Frauen e.V.“ gegründet. Durch die umfängliche Berichterstattung über die Aktivitäten in der Hauptstadt verbreitete sich die Tafel-Idee bundesweit. Bereits im Oktober 1994 kamen die Münchener und Neumünsteraner Tafel hinzu. Und mit der Gründung der Hamburger Tafel im November 1994 setzte sich die Tafel-Bewegung vollends durch. Dabei steigerten das Fernsehen, der Rundfunk und die Printmedien ihre Bekanntheit enorm und spornten viele Bürgerinnen und Bürger an, ebenfalls in ihren Kommunen eine Tafel zu gründen. So entstand vor zwei Jahrzehnten in Lippstadt eine Tafel. Um die jeweils vor Ort gewonnenen Erfahrungen miteinander austauschen zu können, gründeten in 1995 die damals schon existierenden 35 Tafeln den „Dachverband Deutsche Tafelrunde“, inzwischen in „Tafel Deutschland“ umbenannt. Entsprechend ihrer Grundsätze sind die Tafeleinrichtungen überkonfessionell, stehen keiner Partei nahe, treten aufgrund eines Gebietsschutzes nicht in Konkurrenz miteinander. Unterdessen sollen nach Angaben der Tafel-Organisation 75.000 Menschen unterschiedlichen Alters für sie ehren- und hauptamtlich deutschlandweit tätig sein.