Mit dem 3:1-Sieg der DFB-Auswahl im Vergleich gegen den Außenseiter Nordirland gelang ihr am letzten Sonntag eine leidliche Wiedergutmachung nach dem total verkorksten Auftakt für die Weltmeisterschafts-Qualifikation beim 0:2 in der Slowakei. Der zuletzt von vielen Beobachtern der Szene heftig kritisierte Bundestrainer Julian Nagelsmann atmete nach der erneut schwachen Vorstellung seiner Mannschaft tief durch. Die Erleichterung war dem Coach nach dem Abpfiff in Köln deutlich anzusehen
Hans Zaremba über die Nationalelf

Anmerkungen zur Nationalmannschaft von Hans Zaremba, Chronist der Lippstädter BVB-Fans.
Bundestrainer in der Kritik
Die nach ihrer blamablen Schlappe in Bratislava verunsicherten Nagelsmänner gingen durch den früheren Treffer von Serge Gnabry in der siebten Minute zwar in Führung. Doch ihr Auftritt blieb trotzdem lange uninspiriert und fehleranfällig. Der vorübergehende Ausgleich der Gäste war die Folge. Erst in der letzten halben Stunde wurde Deutschland seiner Favoritenrolle gerecht und entging damit einer wiederholten Blamage. Mit den späten Toren in der 69. Minute ihres Jokers Nadiem Amiri (Mainz 05) sowie kurz darauf durch den aktuellen deutschen Fußballers des Jahres, Florian Wirtz, schaffte die DFB-Crew den dringend benötigen Dreier. Nach dem Ende der Partie tauschten sich die Journalisten mit dem deutschen Coach darüber aus, warum die Zuschauer zur Halbzeit gepfiffen hatten und ob diese Bekundungen wirklich nötig und hilfreich waren. Wesentlich spannender wäre es gewesen, darüber zu reden, warum einige Fans so leicht zu begeistern waren, trotz der lange vergeblichen Beiträge des DFB-Teams, mit dem runden Leder etwas Sinnhaftes auf die Reihe zu bekommen. Wenige Stunden vor dem Kölner Länderspiel für die Teilnahme an der Fußballweltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko wurde in der Jubiläumssendung zum 30. Geburtstag des Fußball-Talks „Doppelpass“ verschiedentlich die Arbeit des im Herbst 2023 installierten DFB-Übungsleiters Julian Nagelsmann beanstandet. Gleichwohl wurde von der hochkarätigen Fernsehrunde der einstige Betreuer der TSG 1899 Hoffenheim sowie von RB Leipzig und Bayern München nicht generell in Frage gestellt. „Ich finde es nicht besonders gut, schon jetzt vom Titel zu sprechen. Deutschland kann das schaffen, aber da muss wirklich alles passen. Und im Moment passt eben nicht alles“, meinte der Bayern-Patriarch Uli Hoeneß. Und dem „Sport1“-Experten Stefan Effenberg bereitete es Sorge, dass der vor Jahresfrist noch gefeierte Bundestrainer aktuell fahrig und angreifbar erscheine.
Spieler im Blick
Ein Blick auf einige der im Müngersdorfer Stadion eingesetzten Nationalkicker zeigt auf, wo die größten Defizite zu erkennen waren und welche der in schwarz-weißer Bekleidung aufgebotenen Profis halbwegs überzeugten. Dabei offenbarte der bei Real Madrid unter Vertrag stehende Abwehrrecke Antonio Rüdiger neben vielen Fehlpässen ebenso ein schlechtes Stellungsspiel. Überdies ist er nach seiner gelben Karte für die Begegnung mit Luxemburg am Freitag, 10. Oktober, gesperrt. Der vom Ersatzmann zur zentralen Person in die Abwehr berufene Viktor Anton (BVB) versuchte zwar Stabilität zu bewirken, wurde aber von der zwischenzeitlichen Verwirrung seiner Kameraden mit in den Bann gezogen. Auch der Innenverteidiger von Eintracht Frankfurt, Robin Koch, ließ nach gutem Beginn zu viel anbrennen. Konnte somit an seine gute Juni-Form im DFB-Trikot nicht anknüpfen. Hingegen war Jamie Leweling vom VfB Stuttgart auf der rechten Seite im Angriff ein Lichtblick. Der wieder als Mittelfeld-Gestalter nominierte Joshua Kimmich war ungewöhnlich unauffällig und setzte kaum Akzente in der Offensive. Dennoch war der Profi des FC Bayern München mit über 90 Ballkontakten und mehr als 95 Prozent angekommenen Pässen der „heimliche Dirigent“. Der durch das „Wechseltheater“ in diesem Sommer in die Schlagzeilen der Medien gelangte vormalige Stuttgarter Stürmer Nick Woltemade war gegen die Nordirländer viel unterwegs, von ihm ging aber keine Torgefahr aus. Womöglich ein viel zu hoch bewerteter Fußballer.