Mit einem Auftritt bei der SpVgg Vreden 1921 startet der SV Lippstadt 08 am Sonntag, 10. August, in seine zweite Spielzeit in der Oberliga Westfalen nach dem vorjährigen Abstieg aus der Regionalliga West. Gewiss sind die Erwartungen bei den Verantwortlichen und dem Team des 1997 aus Borussia und Teutonia hervorgegangenen Fusionsvereins mit Blick auf den bis Ende Mai 2026 gehenden Wettbewerb groß. Ob es allerdings zum von den Fans verlangten Comeback für die vierte Liga mit ihrem Profistatus reichen wird, ist momentan nur schwer einzuschätzen.
Hans Zaremba über die Schwarz-Roten

Die lautstarken Fans auf der überdachten Tribüne in der Arena an der Wiedenbrücker Straße.
Foto: Hans Zaremba
Zuschauer
Viel wird davon abhängen, wie die Schwarz-Roten die neue Spielzeit beginnen. Im vergangenen Jahr folgten nach dem verpatzten Auftakt von 1:2 beim späteren Aufsteiger in die Regionalliga, Sportfreunde Siegen, drei bemerkenswerte Siege. Unter anderem auch ein 3:2 in Vreden. Mit der Ausbeute von 50 Punkten landete der SV 08 zum Abschluss des letzten Durchgangs in der Oberliga auf einem respektablen siebten Rang. Daran möchten die weiterhin vom Cheftrainer Felix Bechtold betreuten Männer im Fußballjahr 2025/26 anknüpfen. Dabei müssen sie sich unter anderem mit dem einstigen Bundesligaclub, die unterdessen sportlich zunehmend ins Abseits geratene SG Wattenscheid 09, messen. Ebenso mit den zweiten Auswahlen der westfälischen Zweitligisten Arminia Bielefeld und Preußen Münster. Und aus der heimischen Region sind Rot-Weiß Ahlen, TSV Viktoria Clarholz und der SV Verl II mit von der Partie. Dies verspricht interessante Derbys, die zudem größere Zuschauerzahlen bewirken könnten. Überhaupt wünscht man sich im vormaligen Stadion „Am Bruchbaum“, der heutigen Liebelt-Arena, einen stärkeren Besuch bei den dort angebotenen Auftritten. Beim letzten Heimspiel in der vergangenen Spielzeit mit der ärgerlichen Pleite von 0:2 gegen den ASC Dortmund und der Verabschiedung von Julian Fuest, Hasan Dere und Marcello Romano sowie in Abwesenheit des inzwischen als Co-Trainer bei Arminia Bielefeld angeheuerten Janik Steringer hatten sich gerade mal 420 Personen auf dem schmucken Gelände im Kernstadt-Norden eingefunden. Das sind vor dem Hintergrund der finanziellen Möglichkeiten der ersten Adresse im Fußball in Lippstadt eigentlich zu wenig. Übrigens: Deutlich mehr zählte der SV auch in den Regionalligazeiten von 2018 bis 2024 nicht. Schade. Bei der angenehmen Stimmung auf den Rängen und Stehplätzen auf der ehedem von den Lippstädter Borussen genutzten Anlage wird zweifellos oft ein ansprechender Fußball präsentiert. Aber es soll immer noch hartnäckige Anhänger der Teutonia geben, die nach der Aufgabe des Spielbetriebs mit der reizvollen Atmosphäre des von ihnen bevorzugten „Waldschlößchen“ nur schwer den Weg zum „Bruchbaum“ finden.
Probeläufe
Mit Blick auf die Leistungskraft des SV 08 im kommenden dreiviertel Jahr wird es auch darauf ankommen, wie er die Umbrüche im Mannschaftgefüge verkraftet und der Trainer das Team neu ausgerichtet hat. Speziell mit dem Aspekt, wie man in Lippstadt den Weggang des früheren Kapitän Steringer nach Bielefeld bewältigt hat. Seine bedeutende Rolle als Spielführer obliegt nun Gerrit Kaiser, Mittelstürmer und Rechtsfuß, und als Vize wurde Fatih Ufuk, rechter Verteidiger, vom Übungsleiter bestimmt. Unterdessen haben die Schwarz-Roten einige Testspiele bestritten. So Anfang Juli vor eigener Kulisse gegen den Holzwickeder SC, der in sechstklassigen Westfalenliga im Wettbewerb steht, wo nach dem Abpfiff ein 3:3 zu registrieren war. Insbesondere haben bei diesem Vergleich dem Coach Bechtold die Fehler bei den Gegentoren geärgert. Optisch besser fiel der zweite Probelauf aus, als die Lippstädter in Esbeck auf die TSG Rheda traf und sie mit 4:0 besiegte. Selbstkritisch meinte nach den neunzig Minuten der Sportlehrer des SV, dass dieser Vergleich nicht der Maßstab sein könnte, dem sich die Lippstädter in der Oberliga Westfalen zu stellen haben. Ein ganz anderes Kaliber in der Vorbereitung waren die Sportfreunde Lotte, die im Spieljahr 2024/25 in der Regionalliga West als Neuling einen beachtlichen dritten Platz belegten. Doch das 2:2 von Lippstadt war mit einer schweren Knieverletzung des Linksverteidigers Juan Löbel verbunden, wodurch die zuvor auf zwei Stunden angesetzte Begegnung vorzeitig nach 110 Minuten abgebrochen wurde. Inzwischen steht fest, dass der 18-jährige Abwehrspieler nach seiner Operation im Erwitter Krankenhaus für mehrere Wochen – vermutlich drei Monate – ausfällt. Noch ein Blick auf die anderen Versuche des Lippstädter Oberligisten: Beim Kultur- und Sportverein Baunatal in Nordhessen musste der SV mit dem 1:2 eine Niederlage hinnehmen, während er beim unterklassigen TUS Anröchte mit 8:0 einen souveränen Erfolg vermerkte. Am letzten Juli-Sonntag gab es im benachbarten Kreis Paderborn im Schlagabtausch mit dem siebtklassigen Hövelhofer SV ein 3:1.