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Schlechte Werte für die Regierung und den Kanzler

Für die Sozialdemokratische Partei Deutschlands mit ihrer langen Geschichte ist das Zweitstimmen-Ergebnis von 16,4 Prozent bei der Bundestagswahl am Sonntag, 23. Februar 2025, ein Tiefschlag von historischem Ausmaß. Der in Berlin verlegte Vorwärts hatte ermittelt, dass die SPD ein schwächeres Resulat vor 138 Jahren erreichte. Und zwar bei der Reichstagwahl in 1887, als sie auf 10,1 Prozent kam. Gewiss ist damit die Wahl 2025 für die Sozialdemokratie eine Jahrhundertniederlage.

Hauptgründe für das Wahldebakel der SPD

Lippstadt am Samstag, 22. Februar 2025 (I):
Popcorn war im Bundestagswahlkampf 2025 der Renner am SPD-Informationstand. Besima Duranovic (vorne im Bild) bereitet gerade eine Portion vor.

Unterschiede der Ergebnisse im Bund und vor Ort

Es waren bundesweit 20,1 Prozent an Erststimmen und 16,4 Prozent an Zweitstimmen, die von der SPD erzielt werden konnten. In Lippstadt hebt sich das Ergebnis mit 24,7 Prozent bei den Erststimmen – also für den SPD-Direktkandidaten Jens Behrens – und 19,0 Prozent bei den Zweitstimmen – für die vom damaligen Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion, Rolf Mützenich aus Köln, angeführte SPD-Landesliste von den Werten auf der Bundesebene ab. Viele der engagierten Wahlkämpferinnen und Wahlkämpfer der SPD – auch in Lippstadt, die mit dem örtlichen Kandidaten Jens Behrens an den Info-Ständen, im Haustürwahlkampf und bei mehreren Verteilungsaktionen aktiv waren – stellen sich die Fragen: Wie konnte es zu diesem Desaster kommen? Was genau sind die Gründe? Und was kann die SPD tun, damit es bei der nächsten Wahl für sie besser läuft?

Antworten der Wahlforschung

Dazu hat die Wahlforschung, so der Vorwärts, Antworten. Laut dem Institut Infratest dimap wird als zentraler Grund für den SPD-Absturz die schlechte Bewertung der Arbeit der Bundesregierung genannt. Zudem wird der SPD von 24 Prozent der Befragten die größte Verantwortung für die aktuellen Probleme in Deutschland zugeschrieben. 21 Prozent sehen die Union hauptverantwortlich und 20 Prozent die Grünen. Überlagert wurde der Wahlkampf von der Migrationsdebatte, was unter anderem bei den Zweitstimmen sowohl bundesweit (20,6 Prozent) als auch vor Ort (19,7 Prozent) für die rechtspopulistische AfD sichtbar wird.  

Lippstadt am Samstag, 22. Februar 2025 (II):
Am Tag vor dem Wählervotum noch im Straßenwahlkampf aktiv, gelang Jens Behrens am Wahltag über die SPD-Liste der Sprung in den Bundestag. Er ist nach Jakob Koenen (1907-1974), Engelbert Sander (1929-2004) und Eike Hovermann der vierte Lippstädter, der für die SPD in das bundesdeutsche Parlament eingezogen ist.
Fotos (2): Karl-Heinz Tiemann

Gründe für das SPD-Debakel

Viel ist inzwischen darüber geschrieben worden, wonach der amtierende Bundeskanzler Olaf Scholz eine besondere Rolle für das SPD-Debakel eingenommen hat. Die persönlichen Umfragewerte für den Regierungschef belegen dies. Nicht von ungefähr gab es bei einigen prominenten Sozialdemokraten und an der SPD-Basis Vorbehalte, den einstigen Hamburger Bürgermeister bei der Bundestagswahl 2025 erneut zum Spitzenkandidaten zu bestimmen. Womöglich hätte ein Verzicht von Olaf Scholz nach dem Bruch der von ihm repräsentierten Dreierkoalition und ein Vorschlag von ihm zugunsten von Boris Pistorius der SPD einen neuen Impuls gegeben. Auch das Vertrauen in die SPD mit Blick auf die Kompetenz bei der Bewältigung der Herausforderungen reichte für ein besseres Abschneiden der SPD bei der Februar-Wahl nicht aus. Dies gilt insbesondere für die Wirtschaftspolitik im Vergleich mit den Unionsparteien. Ebenso hat die SPD auf dem Feld der sozialen Gerechtigkeit an Zutrauen verloren, während die Linke dort punkten konnte. Themen, mit denen sich auch an den Info-Punkten die engagierten Wahlkämpferinnen und Wahlkämpfer der SPD zu befassen hatten.

Lichtblick für die SPD

Bei den vielen negativen Nachrichten, die von der Demoskopie für die SPD nach der Bundestagswahl aufgeworfen wurden, gibt es für die Sozialdemokratie nach Infratest dimap auch ein Grund zur Hoffnung. Denn trotz der sehr starken Verluste von 9,3 Punkten bleibe das Wählerpotential der SPD hoch. Nach einer Untersuchung des in Berlin ansässigen und vor allem durch den in der ARD veröffentlichten Deutschlandtrends bekannten Unternehmens könnten sich 40 Prozent der Wählerrinnen und Wähler auch weiterhin vorstellen, künftig der SPD ihre Stimme zu geben. Sicherlich ein Lichtblick für die örtliche Sozialdemokratie, die für die Kommunalwahl am Sonntag, 14. September 2025, mit den Entscheidungen, wer ab Herbst Bürgermeister von Lippstadt wird, und die Zusammensetzung der Lippstädter Stadtvertretung für die Ratsperiode von 2025 bis 2030 schon bald wieder eine Kampagne zu meistern hat.

Karl-Heinz Tiemann / Hans Zaremba

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